Was ist Hochbegabung

 

Nur 3% der Bevölkerung sind hochbegabt. Ebenso sind ca. 3% der Bevölkerung Minderbegabt oder geistig behindert. Viele hochbegabte Kinder werden verkannt, werden sogar von Fachleuten auf ADS/ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom/
Hyperaktivität) diagnostiziert und bekommen Ritalin! Da ich nun mal beides bei mir zuhause habe, kenne ich den Unterschied. Zugegebenermaßen, gibt es viele Übereinstimmungen. Schon mal was vom "zerstreuten Professor" gehört? Das wäre eine Kurzbeschreibung. Sie sind vergesslich, schusselig, trödeln, unordentlich, unkonzentriert...........

Bei Hochbegabung denken die meisten Menschen an Wunderkinder, die schon im Laufstall Klavier spielen konnten, denken an Einstein usw. Aber - knapp daneben ist auch vorbei.

Merkmale des Lernens und Denkens bei motivierten hochbegabten Kindern
- sehr hohes Detailwissen in einzelnen Bereichen,
- ungewöhnlich großer Wortschatz für ihr Alter,
- ausdrucksvolle, ausgearbeitete und flüssige Sprache,
- schnelles Merken von Fakten,
- schnelles Durchschauen von Ursache-Wirkung-Beziehungen,
- Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden,
- schnelles Erkennen von grundlegenden Prinzipien,
- schnelles Herstellen gültiger Verallgemeinerungen,
- gute Beobachtungsgabe,
- lesen viel und vor allem Bücher, die über ihre Altersstufe deutlich hinausgehen,
- denken kritisch, unabhängig und wertend.

Arbeitshaltung und Interessen
- Hochbegabte gehen in Problemen völlig auf, wenn sie motiviert sind,
- sie wollen Aufgaben immer vollständig lösen,
- Routineaufgaben langweilen leicht,
- sie streben nach Perfektion,
- sie sind selbstkritisch,
- sie arbeiten gern unabhängig, um Probleme durchdenken zu können,
- sie setzen sich hohe Leistungsziele, die sie mit einem Minimum an Anleitung und Hilfe durch Erwachsene erreichen,
- sie interessieren sich für "Erwachsenen"-Themen ( Umweltfragen, Politik, Reliegion, Philosophie, Sexualität, Gerechtigkeit u.a.).

Soziales Verhalten
- Häufige Beschäftigung mit Begriffen wie Gerechtigkeit, Gut-Böse, Recht-Unrecht,
- ausgeprägtes Moralbewusstsein und grundsätzliche Ablehnung körperlicher Gewalt
- Individualismus
- prüfen Meinungen von Autoritäten, bevor sie sie akzeptieren,
- übernehmen Verantwortung,
- zuverlässig in Planung und Organisation,
- bevorzugen meist ältere Spielgefährten oder Erwachsene, sind auf der Suche nach Gleichbefähigten,
- wollen über ihre Situation selbst bestimmen,
- können sich in andere einfühlen und sind daher für politische und soziale Probleme aufgeschlossen.

Bei nicht geeigneter Förderung können sich diese Charakteristika negativ entwickeln!

Unsere Schulen erkennen oft noch nicht einmal "Genies". Hochbegabte bekommen wenig Hilfe, meist werden ihnen noch Schwierigkeiten gemacht. Barbara Simonsohn beschreibt in ihrem Buch "Hyperaktiv - Warum Ritalin keine Lösung ist" folgendes:
Ich kenne einen hochbegabten 10-jährigen Jungen - IQ 138 - der in der Grundschule ständig mit seiner Klassenlehrerin aneinander geriet, weil er alles hinterfragte, oft aus Langeweile störte und er alles andere als autoritätshörig war. Wenn er sich oder andere ungerecht behandelt fühlte, macht er einen Aufstand, bis er oder andere zu ihrem Recht kamen. Er brachte es fertig, die Lehrerin morgens mit einem Strauß selbst geflückter Wildkräuter zu überraschen mit der Bemerkung: "Die brauchen Sie. Da sind pflanzliche Östrogene drin, die können Sie jetzt gut während der Wechseljahre gebrauchen, dann sind Sie gelassener". Die Begeisterung der Lehrerin hielt sich in Grenzen. Sie empfahl den Eltern, mit diesem "schwierigen" Kind einen Arzt aufzusuchen und ihn eventuell mit Medikamenten zu behandeln.

Soweit die Geschichte von Barbara Simonsohn. Eine ähnliche Geschichte habe ich im Bekanntenkreis erlebt.

Hinnerk war im Grunde genommen ein stiller, in sich gekehrter Junge, aber ein bißchen unruhig und zappelig im Unterricht. Er fiel schon im Kindergarten auf. In der Grundschule dann gab es ständig Ärger. Die Lehrerin verlangte mehrmals von den Eltern, ihr Kind endlich in eine psychologische Behandlung zu geben, da Hinnerk "nicht richtig ticken" würde. In der dritten Klasse wurden die Probleme dann so massiv, und der Druck der Schule ebenfalls, dass die Eltern zu einer Psychologin gingen. Das Ergebnis war, dass Hinnerk nicht durchgeknallt war. Er hatte auch kein ADS. Bei Hinnerk wurde ein IQ von 140 gemessen! Nun ging der Ärger aber erst richtig los. Die Eltern wollten nun, dass Hinnerk von der dritten in die vierte Klasse überspringen sollte. Die Lehrer und die Schulleitung zweifelten an dem Ergebnis des IQ-Tests. Die Eltern mussten sich durch mehrer Instanzen quälen, bis ihr Sohn überspringen durfte. Innerhalb von zwei Wochen hatte er den Stoff eines halben Jahres nachgeholt. In der vierten Klasse wurde er gemobbt. Seinen richtigen Neuanfang fand er dann am Gymnasium, da war er neun Jahre alt. Es wurde vorher mit dem Schulpsychologen gesprochen und Hinnerk hatte wöchentlich eine Sitzung, um die Zeit an der Grundschule zu verarbeiten. Bei dem Vortrag der Hochbegabtenförderung, den ich oben schon beschrieben habe, war auch die ehemalige Kindergärtnerin von Hinnerk. Sie entschuldigte sich vor allen Leuten bei den Eltern für ihr Verhalten Hinnerk gegenüber. Außerdem versprach sie, dass mehr Erzieherinnen sich über Hochbegabung informieren sollten.

Auffällig werden die Kinder, zumeist Jungen, dadurch, dass sie den Klassenclown spielen. Mädchen ziehen sich mehr zurück und versuchen alles mögliche, um sich anzupassen. Daher ist es bei Mädchen noch schwieriger für Lehrer zu erkennen, dass sie hochbegabt sind. Die hochbegabten Kinder sind nicht immer die Streber mit den guten Zensuren, häufig haben sie sogar sehr schlechte Zensuren. Durch den einfachen Level des Unterrichtes blockieren die Kinder und tun nichts mehr.

Man stelle sich folgende Situation vor: Ein normales Schulkind sitzt im Unterricht mit geistig Behinderten und Minderbegabten zusammen. Wie mag ihm wohl der Unterrichtsstoff vorkommen? Es geht ihm alles zu langsam. Das Kind kommt sich vor, wie in einem Kindergarten. Dinge, die es schon längst kann, werden langatmig durchgekaut. Kommt dann wirklich etwas neues, wird es ständig wiederholt, bis auch der Letzte es kapiert hat. Aber das eine "normale" Kind, hat alles schon beim erstenmal begriffen und schon weitergedacht. Beschwert es sich, wird es belehrt, sich anzupassen und auf die anderen einzustellen. Soziales Unvermögen wird ihm vorgeworfen.

So fühlt sich auch ein hochbegabtes Kind in einer normalen Schulklasse.

Hochbegabung bedeutet, dass das Gehirn tausendmal schneller arbeiten kann, als bei "normalen" Menschen. Zudem sind Hochbegabte visuelle Typen, d.h. sie denken mehr mit der rechten Gehirnhälfte. Das gesprochene Wort des Lehrers wird sofort in Bilder/Film umgewandelt. Ich weiß noch, wenn ich z.B. für die Schule lernen musste, habe ich mir immer nur ein paar Stichworte markiert, anhand derer ich dann in Gedanken später die ganze Buchseite aufrufen konnte und sie mir im stillen nochmals durchgelesen habe.

Wie man sich die verschiedenen Lerntypen vorzustellen hat, ist am besten auf der Homepage http://eigen-sinn.bei.t-online.de erklärt. Deshalb habe ich es mir auch von dort entwendet. An dieser Stelle vielen Dank an Anneliese!!!

Auditorisch sequentieller Lerntyp
Hier geschieht die Begriffsbildung mittels Laute der Wörter. Dieses verbale Denken folgt der Struktur der gesprochenen Sprache. Denkt man verbal, werden Wörter zu Sätzen aneinandergereiht. Dieses Denken vollzieht sich in etwa in Sprechgeschwindigkeit, ca. 150 - 200 Wörter pro Minute.

Visuell räumlicher Lerntyp
Hierbei werden während des Denkprozesses immer weitere Begriffe hinzugefügt - der Mensch denkt nonverbal. Dies läuft so schnell ab, dass man es nicht bemerkt, es geschieht unbewusst. Das nonverbale Denken ist womöglich tausendmal schneller als verbales Denken.

Auditorisch sequentieller Lerntyp
Visuell räumlicher Lerntyp
Lernt Schritt für Schritt Lernt als Ganzes
Lernt aus Erfahrung, Fehlern Lernt durch Konzepte
Verarbeitet übers Hören Verarbeitet übers Sehen
Sieht die Details Sieht das Gesamte, ohne Details
Befolgt mündliche Erklärungen Befolgt schriftliche Erklärungen
Zieht Erklärungen als Text vor Zieht Skizzen vor
Gutes Kurzzeitgedächtnis Gutes Langzeitgedächtnis
Lernt durch Zuhören Lernt durch lesen/schreiben/tun
Gute Handschrift Schlechte Handschrift
Kann sich gut organisieren Organisiert sich nach eigenen Methoden
Lernt erst das Einfache, dann das Schwierige Lernt das Schwierige, versagt beim Einfachen
Lernt nach vorgegebenen Modellen Erstellt sich eigene Modelle
Kann Lösungswege leicht aufzeigen Kommt intuitiv zur Lösung
Braucht Wiederholungen des Lehrstoffes Wird ausgeschaltet durch Wiederholungen
Gut in zeitlich beschränkten Tests Arbeitet besser ohne zeitliche Beschränkung
Ist zufrieden mit einer Antwort Fragt weiter (hinterfragt)
Lernt ohne Ansehen der Person Emotional stark abhängig vom Lehrer
Entwickelt sich regelmässig Entwickelt sich asynchron
Gleichmässige Leistungen Schwankende Leistungen
Akademisch talentiert Kreativ, technologisch oder emotional begabt
Früher reif Später reif
Erledigt eine Aufgabe nach der anderen Macht mehrere Dinge gleichzeitig
Geht ernsthaft an Probleme heran Geht spielerisch an Probleme heran
Verarbeitet Informationen sequentiell Verarbeitet Informationen holistisch
Lernt Fremdsprachen durch aktives lernen Lernt Fremdsprachen durch Immersion
Kann leicht auswendig lernen Muss Konzepte erkennen
Denkt konvergent (einheitlich, übereinstimmend) Denkt divergent (auseinanderstrebend, abweichend)


Unsere Schulen sind auf lineares, sequentielles Lehren ausgerichtet - genau hier müsste ein generelles Umdenken einsetzen. Man müsste begreifen, dass es Kinder gibt, die "anders" lernen, da sie "anders" begreifen, verstehen, denken.........
Dazu noch ein wichtiger Buchtipp: "Nenn mich nicht dämlich" - Betrachtungen zum Schulversagen - von Susann Rainsborough!

Auf meiner Seite über ADS habe ich die Art des visuellen Lernens anhand von Beispielen erklärt. Man findet es unter der Rubrik Lernhilfen & andere Hilfen

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