Eigene Erfahrungen

Ritalin - Märchen

Im obigen Brief schilderte ich ja schon im groben, welche Erfahrungen wir gemacht haben. Sicherlich brauche ich auch nicht zu erwähnen, wie anstrengend schon ein Baby und Kleinkind mit der späteren Diagnose ADS sein kann.

Die Schwangerschaft verlief "relativ" normal. Mein Gynäkologe war nur ständig unzufrieden mit mir, weil ich in der Schwangerschaft abnahm statt zunahm. Um "zuzunehmen" verschlang ich Unmengen an Süßigkeiten. Jede Woche musste ich zum Ultraschall, weil sich das Baby nicht lt. Tabelle entwickelte, sondern immer mehr in den unteren Bereich der Wachstumskurve geriet. Im siebten Monat dann musste ich in ein Pränatales Institut nach München, um durch die besseren Untersuchungsmethoden eine Unterversorgung abklären zu lassen. Das Ergebnis war, dass ich eben kleine Kinder bekomme, aber keine Unterversorgung statt fand. Die große Schwester von Melina war bei der Geburt 47 cm groß und wog keine 3.000 g. Melina war bei ihrer Geburt 49 cm groß und wog auch keine 3.000 g. Wie auch schon bei Alyssa's Geburt musste ich mir von den Schwestern anhören, ich hätte wohl geraucht. Habe ich aber nicht!!!!

Beide Kinder kamen durch Kaiserschnitt zur Welt. Alyssa hatte die Nabelschnur um den Hals gewickelt und strangulierte sich, Melina war eine Steißlage. In der ersten Woche im Krankenhaus war Melina ein wunderbar ruhiges und ausgeglichenes Kind, was sofort nachts durchschlief. Auch der Appetit von Melina war groß, sie trank ca. 130 bis 140 ml aus einer Brust, ich kam mir wirklich vor wie eine Milchkuh. Dann, von einem Tag auf den anderen, war sie quengelig, unruhig, konnte nicht mehr ruhig an der Brust trinken. Schon in der zweiten Woche entwickelte Melina sich zu einem fürchterlichen Schreikind. Heute kann ich nicht mehr genau nachvollziehen, wann genau dieser Umschwung statt fand, aber im Nachhinein kamen mir die Überlegungen, dass dieser krasse Wechsel des Verhaltens nach der Gabe von Glukose sich vollzog. Eine Schwester meinte zu mir, dass Melina in der Nacht wach geworden sei und sie mich aber schlafen lassen wollte, deshalb gab sie ihr Glukose. Ich war daraufhin ziemlich sauer, da ich gleich nach der Geburt den Schwestern mitgeteilt hatte, dass ich auf keinen Fall möchte, dass mein Baby Glukose bekommt. Ich hatte auch mehr als genug Milch, so dass mein Kind keinen Hunger haben musste.

Die ersten Jahre verliefen unheimlich stressig. Niemand wollte auch nur mal ein bißchen auf Melina aufpassen, wenn ich mal einen Termin hatte. War sie draußen an der Sandkiste oder auf dem Spielplatz, lief sie ständig weg. Ich wünschte mir täglich ein Bunjeeseil und einen großen Pflock..............

Auffällig war auch, dass Melina nie "richtig" trocken wurde. Nachts war sie schon früh trocken, mit ca. 1 1/2 Jahren, aber noch mit fünf Jahren machte sie tagsüber in die Hose. Klar wurde das auf seelische Probleme in der Familie geschoben. Wir klapperten eine Menge an Ärzten ab und Melina wurde auch stationär im Krankenhaus untersucht. Zur Erziehungsberatung mit einem Psychologen waren wir übrigens auch. Nirgends gab es einen Befund, was mit unserem Kind los war.

In dieser Phase waren wir sehr verzweifelt. Eine Nachbarin sprach mich an, ob ich Lust hätte, mit ihr zu einem Erziehungskurs zu gehen. Naja, dachte ich, das kann ja nie schaden. Am ersten Abend dieses Kurses dachte ich, ich wäre im falschen Film oder bei einer Sekte gelandet. Horror, was erzählen die denn für einen Mist! Da gehe ich nicht wieder hin. Ich war auf einem Erziehungskurs der Waldorfpädagogik gelandet. Nun ja, ich ließ mich überreden, auch den nächsten Kursabend zu besuchen. Das nun gelernte versuchte ich gleich zuhause umzusetzen, und, oh Wunder, meine Kinder reagierten völlig anders als gewohnt auf bestimmte Situationen. Gerade Melina wurde "weniger anstrengend".

In diesem Kurs war es auch so, dass jeder Teilnehmer natürlich auch aus seiner Familie erzählte und man anhand der Waldorfpädagogik Beispiele durchsprach. Ich erzählte von Melina, und dass sie immer noch einnässt. Die Kursleiterin empfahl mir, es doch mal mit Heileurythmie zu versuchen. Um es kurz zu machen, wir ließen Melina diese Therapie machen und es stellte sich nach ca. 2 Monaten Besserung ein. Um das ganze noch zu "verfestigen" machte Melina die Heileurythmie fast ein Jahr lang. So konnte sie glücklich eingeschult werden und brauchte keine Angst mehr zu haben, dass es einfach wieder "lief".

Heute macht Melina die Heileurythmie um sich in der Schule besser konzentrieren zu können. Auch werden Übungen gemacht, die die Zusammenarbeit der linken und rechten Gehirnhälfte unterstützen.

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