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Fernsehen |
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Ritalin - Märchen | Wie wirkt das Fernsehen auf den Menschen? Wer ein Gemälde an der Wand betrachtet oder ein Foto in der Zeitung, ein Dia auf der Leinwand oder ein Cartoon im Comic-Heft, der fühlt sich völlig frei, es nach Belieben zu betrachten, irgendein Zwang geht von dem Bild nicht aus. Daher meinen die meisten Menschen, beim Fernsehen sei es nicht anders. Das ist aber eine Täuschung. Um zu verstehen, welcher Art die Zwänge sind, müssen wir zunächst auf die unbewusste Tätigkeit der Augenmuskulatur beim gewöhnlichen Sehen blicken. Auf diesem Gebiet ist die Sinnesphysiologie der letzten Jahrzehnte zu umwälzenden neuen Einsichten gekommen, die auch ein Licht werfen auf die Situation vor dem Bildschirm. Das aktive Auge Sehen ist nicht ein passiver Vorgang, bei dem die Augen lediglich entgegennehmen, was die Welt ihnen an Lichtreizen zukommen lässt, sondern im höchsten Maße ein aktiver Vorgang. Denn die Bilder der von der Welt, die wir auf einen Blick zu haben glauben, müssen in Wirklichkeit durch komplizierte Bewegungen der Augenmuskulatur "erarbeitet" werden, bevor sie ins Bewusstsein treten. Das geschieht im Prinzip folgendermaßen: Zwar ist die ganze Netzhaut (Retina) mit Sinneszellen bedeckt (Stäbchen und Zäpfchen), doch konzentriert sich das Scharfsehen auf eine winzig kleine Stelle am hinteren Augenpol, die Fovea centralis (Zentralgrube). Diese Stelle des schärfsten Sehens nimmt nur 0,02% der Retinafläche ein und erfasst einen Sehwinkel von etwa 2 Grad aus dem rund 200 Grad umfassenden horizontalen Blickfeld. Daher können wir beim Schauen auf unsere Umgebung immer nur einen winzigen Ausschnitt es Ganzen in voller Schärfe sehen, nämlich den, auf den die beiden Augen sich mit ihren Sehachsen fixieren. Und doch kommen wir zu einem klaren, deutlichen Bild z.B. von einem Haus, indem die Augenmuskeln nacheinander verschiedene Ausschnitte des Gesamtobjektes vor die Fovea rücken. Das geschieht so, dass zunächst irgendein Punkt des Hauses von beiden Augen für Bruchteile einer Sekunde fixiert wird, dann springen die Muskeln mit einer ruckartigen Bewegung (in der Fachsprache Saccade genannt) zu einem anderen Punkt des Objektes, der ebenfalls für Sekundenbruchteile fixiert wird, dann folgt eine weitere Saccade zu einem dritten Punkt, und so immer weiter, bis durch die einzelnen Fixationen genügend viele Partien abgetastet sind, um ein deutliches Gesamtbild von dem Objekt zu haben. In einer Sekunde finden etwa 2 bis 5 Saccaden statt. Das Bild, das jetzt in mein Bewusstsein tritt, ist genauso ruhig wie das soeben fertig gestellte Bild eines Malers. Doch der Maler hat Tausende von Handbewegungen ausführen müssen, bevor das Resultat zu sehen ist, und genauso sind die Augenmuskeln in lebhaftester Tätigkeit, bevor sich mit "einem Blick" das ganze Haus, eine Person, fahrende Autos etc, scharf und klar im Bewusstsein zeigen. Fernsehbilder sind keine gewöhnlichen Bilder Die meisten Benutzer halten das Fernsehbild für ein Bild wie jedes andere - ein folgenschwerer Irrtum. Während Diaprojektoren und Kinofilme vollständige Bilder auf die Leinwand werfen, vermag die im Fernsehgerät verwendete Elektronenröhre grundsätzlich kein vollständiges Bild zu erzeugen. Es gibt nur einen einzigen, von der Kathode aus gehenden Elektronenstrahl, der beim Aufprall auf die Mattscheibe einen winzigen Leuchtpunkt erzeugt. Dieser eine Leuchtpunkt wird mit Hilfe von Ablenkspulen Schritt um Schritt über die gesamte Bildschirmfläche geschickt, wobei er einem festgelegten Rastersystem folgt, das aus 625 Zeilen zu je 833 Bildpunkten besteht (so die europäische Norm). Während seines Durchganges durch das Raster reproduziert der Elektronenstrahl Punkt für Punkt den von der Fernsehkamera vorgegebenen Farb- und Helligkeitswert, so dass in einer Art Mosaik das Bild aus 625 x 833 Einzelpunkten zusammengesetzt wird. Das alles vollzieht sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit: Die 520.625 Rasterpunkte bedient der Leuchtstrahl 25mal in der Sekunde, das bedeutet eine Leistung von rund 13 Millionen Punkten pro Sekunde! Konkret ist es allerdings so, dass zwar 25 Bilder pro Sekunde gesendet werden, jedoch jedes Bild in zwei Raten auf Teilbildern: Zuerst schreibt der Elektronenstrahl von oben nach unten alle ungeradzahligen Zeilen auf den Schirm, dann in einem zweiten Durchgang alle geradzahligen Zeilen. Statt 25 Ganzbildern werden also 50 unvollständige Bilder dargeboten, von denen jedes 1/50 Sekunde benötigt. ![]() Zwangsbeschuss der Netzhaut Wie reagieren nun die Augen auf ein so künstliches, fortwährend unvollständiges Bild? Nicht anders als bei einem Dia oder einem Gemälde versuchen sie das Fernsehbild mit raschen Abtastbewegungen zu erkunden, um sich einen Gesamteindruck zu verschaffen. Sie fixieren also irgendeinen auffälligen Punkt, um ihn genauer zu mustern, doch ehe die Risation überhaupt beginnen kann, ist der Elektronenstrahl längst weiter geeilt, die von ihm erregten Leuchtflecken verglimmen und sind im Nu verschwunden. Hier gibt es also nichts abzutasten. Daher springen die Augen mit einer Saccade zu einem anderen Fixationspunkt, setzen zu einem weiteren Versuch an - und scheitern erneut: Was eben noch hell leuchtend hervorstach, zerrinnt im nächsten Moment zu konturlosen Schatten. Und so geht es fort: Die Augen können springen, wohin sie wollen, nirgends finden sie ein bleibendes Objekt, das sich abtasten ließe. Der rasende Leuchtpunkt ist stets schneller. |
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