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Ritalin - Märchen |
Behandle Menschen, als ob sie so sind, wie sie sein sollten. Dadurch hilfst du ihnen, zu dem zu werden, zu dem sie in der Lage sind.
Dr. Thomas Armstrong
Rainer Patzlaff (Lehrer und Medienforscher) erzählte anschaulich auf seinem Vortrag "Bedrohte Kindheit - und wie wir sie gestalten können" im September 2003, von einem Experiment:
Man schloss einen hochbegabten Jungen an ein besonderes EEG an. Er saß in einem Raum und es sollte ein Lehrer zu ihm hineinkommen, um sich mit ihm zu unterhalten. Dem Lehrer erzählte man, dass der Junge lernbehindert wäre. Sofort nach dem Eintreten des Lehrers in den Raum zeigten sich anhand des EEG's die gleichen "Störungen" wie bei einem lernbehinderten Kind.
Im umgekehrten Fall mit einem wirklich lernbehinderten Kind, wobei man dem Lehrer sagte, es säße ein hochbegabtes Kind in dem Raum, zeigte sich anhand des EEG's eine hohe Lernbereitschaft.
Dieses Experiment soll aufzeigen, dass alleine schon die Gedanken des Lehrers auf das Kind gewirkt haben.
Wird einem Therapeuten eines ADS-Kindes erzählt, wie schwierig es doch sei, und was es alles nicht kann etc., etc........ Nun, wie wird das Kind auf den Therapeuten reagieren, der schon im Voraus "bescheid" weiß? Sicherlich haben viele Eltern von ADS-Kindern schon von anderen Menschen, die nicht wussten, dass bei dem entsprechende Kind ADS diagnostiziert wurde, nur positives über ihr Kind gehört.
Pädagogen, Psychologen und Psychiater weisen darauf hin, dass Verhaltenstherapie und die Veränderung der Strukturen und Umgebung des Kindes die Symptome von ADS vermindern können. Aber solche Methoden und Veränderungen kosten viel mehr als eine Ritalin-Verschreibung, und die Schulen, die schon mit massiven Problemen Budgetkürzungen zu tun haben, verfügen über keine Mittel, um zusätzliche Programme aufzulegen.
Eine Studie hat herausgefunden, dass 25 Prozent der Kinder, bei denen ADS diagnostiziert worden war, nach einer Neubeurteilung mit einem Standardtest unter Lernschwächen litten und nicht unter ADS. Auch die Debatte um unsere Gesundheitsreform, das wirtschaftliche Denken, treibt die Verschreibung von Ritalin und ähnlichen Medikamenten voran. Eine typische Ein-Monats-Therapie mit Ritalin kostet weniger als alternative Therapien. Die Heileurythmie unserer Tochter Melina hat einen hohen Kostenfaktor. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen häufig nicht diese Therapiekosten, einige BKK's sind da fortschrittlicher. Bitte informiert Euch bei verschiedenen Kassen, auch wenn man eventuell etwas mehr Beitrag zahlen muss. Die Securvita BKK z.B. zahlt alternative Heilmethoden und Heilpraktikerkosten. Das Preis/Leistungsverhältniss muss stimmen.
Auch werden die Ärzte immer mehr unter Druck gesetzt, zeisparend = kostengünstig zu behandeln. So haben die Ärzte für eine ausreichende Diagnostik zu wenig Zeit. Viele verlassen sich deshalb auf die Berichte von Laien, Eltern und Lehrern um die Symptome einzuordnen.
In Deutschland soll es 350.000 Kinder zwischen 6 und 16 Jahren mit dieser Symptomatik geben, davon werden etwa 50.000 mit Ritalin behandelt. Die Verschreibung von Ritalin ist von 1990 bis 2001 auf das 30fache angestiegen. Ritalinpropagandisten sprechen dennoch von einer krassen Unterversorgung.
Noch vor wenigen Jahren wäre kaum jemand auf die Idee verfallen, diesen Kindern eine psychotrope Substanz zu verabreichen. Sie wurden richtigerweise einer ursachenorientierten Therapie zugeführt.
Die von Ritalinprotagonisten oft scharf eingeforderte Ritalinbehandlung erfolgt in einer hochsensiblen Entwicklungsphase des Gehirns. Besonders in der Pubertät, währenddessen das Gehirn nochmals soviel Neuronenverbindungen herstellt wie bei einem Neugeborenen, müssen die Folgen dramatisch sein. Die Liste der Nebenwirkungen von Ritalin ist lang. Es gibt keine wissenschaftlich haltbare Langzeitstudie über die Unschädlichkeit von Ritalin. Die Situation ist besorgniserregend. Von der Firma Novartis wurden selbstverständlich Forschungen betrieben. Aber es wurden keine Doppelblindstudien durchgeführt, die aussagekräftig gewesen wären. Außerdem haben die meisten Kinder schon vorher Ritalin eingenommen.
Ritalin stört wie jede Droge die Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig. Das Mittel unterdrückt die spontanen und natürlichen Gefühlsäußerungen des Kindes, und dieses kann weder lernen, eigene Gefühle wahrzunehmen, noch mit ihnen umzugehen. Seine Individualität wird künstlich niedergehalten, die Persönlichkeitsentwicklung bleibt stehen. Wenn dann nach Jahren Ritalin abgesetzt wird, fängt dann der Jugendliche bei Punkt null an. Ihm fehlen viele Erfahrungen von Gleichaltrigen.
Der genaue biochemische Wirkmechanismus von Ritalin ist bis heute nicht geklärt. Die gängigste Hypothese lautet, Ritalin würde den Hirnstoffwechsel im Frontalhirn anregen und so die Aufmerksamkeit verbessern, doch das ist nur eine Vermutung. Auf der Internetseite
http://www.drug-infopool.de/rauschmittel/ritalin.html wird aufgezeigt, welche Wirkungen Ritalin auch auf normale Menschen hat. Die von Ritalinbefürwortern propagierte Hypothese, bei ADS-Kindern liege ein Dopaminmangel vor, ist reine Spekulation. Diese Interpretation wurde aus der Vermutung abgeleitet, Ritalin stimuliere die Dopaminausschüttung.
Zu den psychischen Folgeschäden kommen die körperlichen Folgeschäden. Häufige Nebenwirkungen (steht auch auf dem Beipackzettel) sind: Nervosität, (ach, und ich dachte die Kinder werden ruhiger), Schlaflosigkeit, (in Beschreibungen von Symptomen von ADS steht: brauchen wenig Schlaf), Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel und Hautausschläge. Auch Müdigkeit, Traurigkeit (dagegen gibt es neuerdings auch schon eine Pille) Ängstlichkeit, depressive Verstimmung (die gleiche neue Pille auch von Novartis), Verstopfung, Muskelzuckungen und Ticks können auftreten. Nicht ausreichend geklärt ist - so Novartis - die Gefahr eines verminderten Wachstums. Inzwischen hat man auch herausgefunden, dass das Gehirn ebenso von dem verminderten Wachstum betroffen ist!!!
Deshalb hat die Internationale Hippokratische Gesellschaft am 23. März 2002 in Bregenz eine interdisziplinäre Arbeitstagung zum Thema "Ritalin - zu verantwortende Hilfe oder Weg in die Sackgasse?" durchgeführt. Allen, die sich in medizinischen, psychologischen oder pädagogischen Bereichen mit Kindern befassen, und allen Eltern sollen die vorliegend zusammengestellten Referate und Berichter dieser Tagung sowie weitere Beiträge grundlegende Informationen zur Verfügung stellen.
Unser Denkvermögen, unsere menschliche Vernunft und unser Verantwortungs- und Mitgefühl sind gefordert, wenn wir den uns anvertrauten Kindern wirklich helfen wollen.
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